Es gibt Momente, in denen einem die richtigen Worte fehlen. Genau so ein Moment ist jetzt.

Unsere Fischzucht in Getzing, in die über viele Jahrzehnte unzählige Stunden Arbeit, Leidenschaft und Herzblut geflossen sind, erlebt derzeit eine Situation, die wir uns niemals hätten vorstellen können.

Die Quelle, die unsere Anlage mit Wasser versorgt, ist erstmals seit Beginn der Aufzeichnungen ausgetrocknet.

Für viele mag das nur eine trockene Nachricht sein. Für uns bedeutet sie weit mehr.

Ohne Wasser gibt es keine Fischzucht. Ohne Wasser gibt es kein Leben.

Die Folgen sind dramatisch. Von unseren elf Aufzuchtteichen sind derzeit zehn leer. Nur in einem einzigen Teich befinden sich noch unsere diesjährigen Brutfische. Einen Teil unserer Fische konnten wir glücklicherweise noch rechtzeitig an einen anderen Standort übersiedeln.

Wer unsere Fischzucht kennt, weiß, was sie für unseren Verein bedeutet. Viele Mitglieder haben dort über Jahre und Jahrzehnte gearbeitet, Becken gebaut, Fische aufgezogen und gepflegt. Eine Anlage, die normalerweise voller Leben ist, beinahe leer zu sehen, schmerzt uns alle. Als Fischer sind wir darüber ehrlich gesagt am Boden zerstört.

Doch nicht nur unsere Fischzucht leidet unter der anhaltenden Trockenheit.

Seit Wochen sind unsere Fischereiaufseher und zahlreiche Vereinskameraden nahezu täglich unterwegs, um trockengefallene oder vom Austrocknen bedrohte Gewässer zu kontrollieren und die darin verbliebenen Fische zu retten. Wo immer es möglich ist, werden Fische umgesetzt und in sichere Gewässer gebracht. Gleichzeitig haben wir uns auch auf mögliche Notabfischungen vorbereitet, sollte sich die Situation weiter verschärfen. Es sind Bilder und Einsätze, die niemand von uns erleben möchte – und dennoch gehören sie derzeit leider zu unserem Alltag.

Gerade in dieser schwierigen Zeit zeigt sich aber auch, wie wichtig vorausschauendes Handeln ist.

Eine Entscheidung, die heute wichtiger ist denn je

Heute können wir deshalb erstmals über ein Projekt informieren, das wir bereits seit einiger Zeit vorbereitet haben.

Der Salzburger Sportfischerei-Verein hat in der Region Faistenau eine weitere Fischzucht übernommen und wird diese als zweite Vereinsanlage aufbauen.

Ursprünglich war dieses Projekt als Ergänzung zu unserer Fischzucht in Getzing gedacht – als zusätzliche Absicherung für außergewöhnliche Situationen. Dass wir diese Absicherung bereits jetzt benötigen würden, hätte wohl niemand erwartet.

Umso dankbarer sind wir, dass wir einen Teil unserer Fische bereits nach Faistenau übersiedeln konnten.

Die Voraussetzungen dort sind nahezu ideal. Kaltes, klares Quellwasser direkt aus dem Berg schafft beste Bedingungen für die Aufzucht heimischer Bachforellen. Gleichzeitig entsteht dort ein zweites Standbein, das unsere Fischzucht künftig deutlich widerstandsfähiger machen wird.

Bis dahin liegt allerdings noch viel Arbeit vor uns. Die Anlage muss umfassend saniert und Schritt für Schritt wieder aufgebaut werden. Alte Becken und Holzkonstruktionen müssen entfernt, Bäume und Sträucher zurückgeschnitten und neue Becken errichtet werden.

Dafür werden wir in den kommenden Wochen und Monaten auch die Unterstützung unserer Mitglieder brauchen. Die Arbeitseinsätze werden wir rechtzeitig bekanntgeben. Ebenso freuen wir uns über Unternehmen und Privatpersonen, die dieses Projekt unterstützen möchten.

Der genaue Standort der Anlage wird zum Schutz der Fischzucht bewusst nicht öffentlich bekanntgegeben. Außerdem möchten wir klarstellen, dass unsere Fischzucht in keinem Zusammenhang mit bestehenden Angelteichen in der Region Faistenau steht.

Eines möchten wir jedoch ganz deutlich sagen:

Getzing geben wir nicht auf. Getzing bleibt das Herzstück unseres Vereins

Unsere Fischzucht in Getzing ist weit mehr als nur eine Aufzuchtanlage. Mit dem neuen Vereinsgebäude ist dort in den vergangenen Jahren der Mittelpunkt unseres Vereins entstanden – ein Ort, an dem gearbeitet, geplant, gelernt und Gemeinschaft gelebt wird.

Deshalb setzen wir alles daran, diesem Standort eine Zukunft zu geben. Erste Fachfirmen waren bereits vor Ort, um Möglichkeiten für eine neue Wasserversorgung zu prüfen – von der Wassersuche bis hin zu einer möglichen Bohrung.

Wir wissen heute noch nicht, welche Lösung technisch und wirtschaftlich umsetzbar sein wird. Klar ist aber: Wir werden nichts unversucht lassen. In Getzing wurde mit viel Einsatz etwas geschaffen, das für unseren Verein von zentraler Bedeutung ist.

Faistenau ist daher kein Ersatz für Getzing, sondern eine wichtige Ergänzung und Absicherung. Unser Ziel ist es, beide Standorte langfristig zu erhalten und damit die Fischzucht des Vereins breiter, sicherer und zukunftsfähiger aufzustellen.

Die aktuelle Situation ist ein schwerer Rückschlag. Gleichzeitig ist sie für uns ein Auftrag, weiterzudenken, Lösungen zu suchen und die Zukunft aktiv zu gestalten.

Vor uns liegt viel Arbeit.

Aber wenn die letzten Wochen eines gezeigt haben, dann dieses: Auf unsere Kameraden ist Verlass. Ob beim Retten von Fischen aus austrocknenden Gewässern, bei Einsätzen bis in die Abendstunden oder künftig beim Aufbau der neuen Fischzucht – genau dieser Zusammenhalt macht unseren Verein aus.

Gemeinsam werden wir auch diese Herausforderung meistern. Für unsere Fische. Für unsere Gewässer. Und für die Zukunft des Salzburger Sportfischerei-Vereins.